Heldentaten?...Warum eigentlich Heldentaten?


Doch,doch, er ist ganz ernstgemeint, der Titel unseres Blogs, in dem wir ab und zu von unserer Wanderung durch halb Europa berichten wollen: Heldentaten in Wanderschuhen. Zugegeben, Heldenthaten - egal obmit oder ohne h - sind heutzutage etwas aus der Mode geraten. Seit der Krieg, jedenfalls in Mitteleuropa, nicht mehr als der Vater aller Dinge verherrlicht wird, hat der Held nichts mehr zu melden.Er tritt eigentlich nur noch in billigen Actionfilmen in Erscheinung, oder auf der Opernbühne.

Auf der anderen Seite definiert  JohannHeinrich Zedlers „Großes vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschafften und Künste“ den Helden als einen, „der von Natur aus mit einer ansehnlichen Gestalt und ausnehmender Leibes-Stärckebegabt, durch tapffere Thaten Ruhm erlanget, und sich über den gemeinen Stand derer Menschen erhoben“. Das Zedler-Lexikon erschien zwar schon 1732, aber genau diese 286 Jahre alte Beschreibung desHelden ist brandaktuell, denn genau die drei Eigenschaften, die den Helden ausmachen, weisen wir auch auf. 
Erstens: Wer sich in diversen Outdoor-Läden mit dreilagigen Regenjacken, mit Merino-Blusen und -Hemden und allerlei „Funktions-Unterwäsche“ ausstaffiert hat – natürlich ist der von einer„ansehnlichen Gestalt“. Zweitens wollen wir von Frankfurt nach Lissabon wandern, dazu h muss man „von Natur aus“ mit „ausnehmender Leibes-Stärcke" begabt sein. Und wer, drittens, acht Monate lang nurzu Fuß geht – ja, selbstverständlich erhebt der sich über den „gemeinen Stand derer Menschen“, die Auto fahren.
Auf der anderen Seite haben wir uns am ersten Abend gefragt, ob so eine Heldentat nicht doch ein bisschen heldischer beginnen könnte sollte. Mit der S-Bahn von Wiesbaden nach Frankfurt Hbf, so wiezehntausende ganz und gar unheldische Pendler an diesem Vormittag – hmmm. Dann von Bahnhofs-Vorplatz aus rechts in die Moselstraße, ein paar  Blöckeweit bis zum Main: Da steht man vor dem Holbeinsteg. Angesichts dieser Fußgängerbrücke  müssteman als Fernwanderer eigentlich ergriffen sein. Denn über dieses hölzerne Brücklein führt der Europäische Fernwanderweg, der E1, der am Nordkap beginnt und theoretisch in Sizilien endet. Aber sorichtige Ergriffenheit stellte sich bei uns eigentlich nicht ein. Denn auf der anderen Seite liegt nun mal nicht Sizilien. Sondern Frankfurt-Sachsenhausen.
Wenn wir an diesem ersten Tag, dem Auftakt unserer Wanderung durch halb Europa, eine Heldentat vollbracht haben, so bestand sie darin, dem E1 widerstandslos und trotz allem  vergnügtzu folgen. Und zwar auch dann noch, als er, Sachsenhausen verlassend, auf die A3 zulief, sie unterquerte und ihr dann gnadenlos bis zum Offenbacher Kreuz folgte, wo der E1 auch noch die A661schneidet. Mit anderen Worten, wir sind kilometerlang in geringer Entfernung neben der - mit täglich über 163 000 Fahrzeugen - am sechststärksten befahrenen Autobahnabschnitt Deutschlandsherspaziert. Sicher eine tapffere That. Aber ohne dass man dadurch Ruhm erlanget hätte. So einen Streckenabschnitt verbuchen Wandersfrauund Wandersmann notgedrungen unter „muss eben auch sein“.
Nach der Autobahn-Orgie schwingt sich der E1 nach Süden, östlich vorbei an Neu-Isenburg. Er durchquert große, monotone Wälder, die still wären, wenn nicht in gut zehn Kilometern Entfernung einer dergrößten Flughäfen Europas läge. Die Besteigung des Ebertsberges, über den der E1 führt, gehört eindeutig nicht zu den Heldenthaten, denn er ist bescheidene 192 Meter hoch und fällt als Berg gar nichtauf. Dreieichenhain, das ist typisch deutsche Kleinstadt-Vorstadt,  durchdie man durch muss. Kaum der Erwähnung wert.
Wir übernachten im Waldhaus Hotz, das wir schon im Januar, von Brasilien aus, reserviert haben: „Die Pension in Langen mit dem legendären Paprikarahmschnitzel“. Speisekarten-Prosa von stillerSchönheit: „Unser Personal ist Ihnen gerne behilflich eine Auswahl zu treffen, die Ihrem Geschmack entspricht“.

 

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